Wirtschaft, Philosophie, Leben
Oft wird in den Medien von den meist als böse bezeichneten Spekulanten berichtet, die die Welt mit ihrem Zockertum ins Verderben stürzen und die Hauptschuld, an der derzeitigen Finanz- und Wirtschaftskrise tragen. Diese Kategorisierung in Spekulanten und Nicht-Spekulanten scheint dabei genauso irrsinnig wie kurzsichtig zu sein. Sind wir nicht alle Spekulanten und damit Teil dieses Systems? Jeder der Geld besitzt und dieses auf einem Konto einer Bank lagert beteiligt sich doch am weltweiten Finanzspektakel! Nein? Und ob! Jeder von uns legt sein Geld bei der Bank an, die den höchsten Zins bietet. Dass dieser Zins auf irgendeine Weise erwirtschaftet werden muss wird dabei oft außer Acht gelassen. Dennoch ist es die Realität, dass Banken das Geld in Finanzierungsprojekte stecken und darauf spekulieren, dass neben der Rückzahlung des Kredits auch die Zinsen hierfür zurückfließen. Eine Möglichkeit diese Zinsen zu generieren liegt für die Banken bspw. auch im Kauf von Staatstiteln, die bisher als sicher gehandelt wurden und kontinuierliche Rückflüsse boten. Da dieser Umstand sich im Laufe der Zeit als falsch erwiesen hat, meiden die Banken nun den erneuten Kauf von Staatsanleihen der Krisenstaaten. Die Probleme, die damit einhergehen kennen wir – aber daran sind ja angeblich nur die Spekulanten schuld!
Auch wenn die Banken das Geld an Unternehmen oder Privatkonsumenten verleihen, bleibt immer Spekulation mit im Spiel. Banken wissen nicht, ob die Schuldner wirklich zurückzahlen werden. Allein Erfahrungswerte aus der Vergangenheit lassen hier Vermutungen zu. Schmiert die Wirtschaft eines Landes aber in großem Stile ab, so ist die Rückzahlung der Darlehen, Immobilien- und Konsumentenkredite keineswegs mehr sicher. Damit hätte sich die Bank verspekuliert, und die Kunden, die ihre Geldanlage mit Zins irgendwann vom Konto abheben wollten stünden plötzlich vor verschlossenen Türen, da die Banken auszahlungsunfähig wären. Dank der Spekulation auf eine rosige Zukunft!
Nun kann man einwenden, dass diese Art der Spekulation nichts mit dem Gezocke an den Börsen zu tun hat, dass wir jeden Tag beobachten können. Dem kann man leider auch nur bedingt zustimmen. Alles Geld, das wir der Bank leihen und welches diese weiterverleiht wird ja wieder investiert, weiterverliehen oder bahnt sich irgendeinen anderen unkontrollierbaren Weg durch unser Finanzsystem. Am Ende landet es bei denen, die Geld aus dem System punktuell akkumulieren, da sie Waren oder Dienste anbieten, die sehr stark nachgefragt sind. Damit reden wir dann entweder von großen Unternehmen oder einzelnen reichen Privatpersonen. Da diese das viele Geld nicht in Realgüter umsetzen können (selbst wenn sie wollten, könnten sie ihr ganzes Geld nicht ausgeben), legen sie dieses wiederrum bei ihrer eigenen Bank an. Aber mit einem einfachen Sparbuch ist es dann nicht getan. Nein! Dann werden Aktien, Rohstoffe, Nahrungsmittel und alle weiteren Derivate und Schuldscheine gekauft und es wird kräftig damit spekuliert! Aber wo fing die Lunte nochmal an zu brennen? Sind wir nicht alle Spekulanten?