Wirtschaft, Philosophie, Leben
Als ich der freundlichen Dame an der Kasse heute meinen 20 -Euro Schein entgegenstreckte, kam in mir ein ungutes Gefühl auf. Für Menschen, die sich intensiv mit Geld beschäftigen, mag das in diesen Tagen vielleicht nachvollziehbar sein. Das überall gepriesene Geld, das uns ermöglicht Waren flexibel zu tauschen, ist an sich eine wunderbare Erfindung. Wir nehmen es entgegen in dem Vertrauen, dass es bei der nächsten Transaktion vom Gegenüber ebenso akzeptiert wird. Wir vertrauen einander, wir vertrauen der Währung und wir vertrauen vor allem der dauerhaften Werthaltigkeit dieses Tauschmittels. Wäre all dieses nicht gegeben, so würde derjenige der Geld gegen Waren tauscht irgendwann mit sehr viel Papierscheinen sprichwörtlich dumm dastehen – aber diesen Fall denken wir ja nicht! So auch die Kassiererin im Supermarkt vor ein paar Stunden. Ohne auch nur mit der Wimper zu zucken, nahm sie den Geldschein entgegen, verrechnete den Differenzbetrag und gab mir nach zwei oder drei Sekunden das Rausgeld zurück. Der Deal war perfekt und dennoch kam ich ins Grübeln. Beruht dieses Vertrauen, das die Verkäuferin mir entgegenbringt wirklich auf Gegenseitigkeit? Bringt Sie mir überhaupt Vertrauen entgegen oder vertraut sie nur dem Währungssystem an sich?
Ich kann mir diese Fragen nur so beantworten. Ich denke, die Kassiererin, welche stellvertretend für das Unternehmen handelt, vertraut in erster Linie unserem Währungssystem und nimmt damit Geld im Tausch gegen Waren personenunabhängig und damit in gewisser Weise auch vertrauensunabhängig an. Dennoch vertrauen die Unternehmen wie auch alle Wirtschaftssubjekte sich gegenseitig in hohem Maße, denn wenn das Tauschen mit Papierwährungen nicht von einer breiten Mehrheit der Beteiligten akzeptiert wird, verliert das Geld sehr viel von seinem Glanz. Denn gerade der unbeschränkte Tausch und die enorme Akzeptanz haben das Geld ja zu dem gemacht was es ist – eine Erfolgsstory ohne Vergleich.
Die Frage nach der Gegenseitigkeit des Vertrauens habe ich aber noch nicht beantwortet. Hier liegt wohl auch der Grund dafür, dass ich nach Abschluss dieses Deals ins Grübeln kam. Glaube ich denn wirklich noch daran, dass diese Währung in Zukunft noch von meinem Gegenüber akzeptiert wird? Meine Antwort ist nein! Da ich mich viel mit Geld beschäftige, betrachte ich die derzeitigen Entwicklungen mit Sorge. Übrigens scheine ich damit nicht alleine zu sein. Während Milliardenbeträge geschaffen werden, Gläubiger nach Abschreibungen gerettet werden müssen und mittlerweile auch Inflationstendenzen auf allen physischen Märkten erkennbar sind, werde ich unruhig. Mir scheint, als ob da etwas aus dem Ruder läuft, was irreparabel ist, was uns alle betrifft und was wir alle nicht wahrhaben wollen. Deshalb handle ich wie mittlerweile viele andere Menschen auch und schaue, dass ich von dem an sich nutzlosen Papiergeldbestand wegkomme. Ich denke mir, dass sofern es zu einer Währungskrise kommen sollte, ich möglichst wenig von diesem wertlosen Scheinen und Zahlen auf meinem Konto haben sollte. Ich verliere nicht gerne, deshalb trenne ich mich rechtzeitig. Viele scheinen das aber noch nicht zu denken bzw. zumindest noch nicht danach zu handeln. Mit zunehmender Zeit werden aber wohl mehr und mehr Menschen auf diesen Zug aufspringen. Irgendwann wird es sehr schwierig werden von seinen Zahlungsmitteln loszukommen. Jeder versucht den Schwarzen-Peter namens Geld einem anderen zuzuschieben. Alle werden ganz schnell im Kreis rennen und wie bei der Reise nach Jerusalem nach den letzten Stühlen Ausschau halten. Irgendwann stoppt die Musik und einige stehen ohne Stuhl da. Ich glaube, dass ich heute beim Einkauf aus diesem Grund nachdenklich geworden bin, denn wäre morgen alles vorbei, dann säße die Kassiererin morgen früh heulend hinter der Kasse, mit viel Bargeld in der Kasse aber wenig Perspektive!