Wirtschaft, Philosophie, Leben
In diesen Tagen, die von Unsicherheit und ständigem Misstrauen gegenüber unserem Finanzsystem geprägt sind, machen sich viele Menschen zurecht Gedanken um ihre Spareinlagen. Wir alle wissen, dass unser Bankensystem nicht etwa auf einem Vollgeldsystem beruht, sondern als Fiat-Geldsystem etabliert wurde, welches extrem gehebelt und damit nicht vollständig liquide ist. Hieraus kann sich eine Bank-Run Problematik ergeben, nämlich genau dann, wenn sich einige Bankkunden im selben Zeitraum dazu entscheiden, ihr erspartes Geld von ihren Konten abzuheben. Ist der minimale Kapitalpuffer, den Banken vorhalten verbraucht, droht unmittelbar die Auszahlungsunfähigkeit aufgrund mangelnder Liquidität. Dies bedeutet schlicht und ergreifend, dass nur die ersten Kunden an ihr Geld kommen, während die Menschen hinten in der Schlange keine Auszahlung mehr erwarten können. Das Geld als solches ist nämlich gar nicht vorhanden, sondern existiert in den größten Teilen nur als Fiktion in den Bankbilanzen. Wer also in Krisenzeiten Zahlungsmittel in den eigenen vier Wänden vorhalten möchte, sollte sich möglichst dazu entscheiden, bevor die Nachbarn einem in dieser Frage zuvorkommen. Damit soll kein Misstrauen gegenüber den Nachbarn entstehen, vielmehr geht es hierbei um die schlichte Darstellung der Spielregeln unseres Geldsystems.
Ist es denn sinnvoll eine Geldreserve in bar vorzuhalten? Diese Frage ist nur schwer zu beantworten. Was man aber angesichts der Niedrigzinspolitik der Notenbanken sagen kann ist, dass es aus Renditegesichtspunkten nie attraktiver war, sein Geld zuhause zu lagern, denn die Renditedifferenz zwischen Bankeinlage und Kopfkissen war in den letzten Jahrzehnten wohl nie kleiner. Die Opportunitätskosten liegen im Moment wohl maximal bei ca. 2% (dies ist die Differenz zwischen der Einlage ins Kopfkissen 0% und der Einlage auf dem Sparbuch ca. 2%). Wer diesen Prozentsatz im Tausch gegen die Sicherheit Geld in bar zu besitzen bezahlen will, für den macht es aus individueller Sicht durchaus Sinn einen Teil seines Geldes ins Kopfkissen zu stopfen. Sollten es zum Krisenfall und zum ausgedehnten Bank-Run kommen, müssen in der Zeit, in der sich andere Marktteilnehmer vor den geschlossenen Banken tümmeln diese gebunkerten Liquiditätsreserven aber unmittelbar gegen Waren getauscht werden, da eine Entwertung und Reformierung der Währung dann unmittelbar bevorsteht.
Ist dieses Szenario wahrscheinlich? Auch hier sollte man sich mit Prognosen bedeckt halten. Es gibt durchaus Indizien, die für ein baldiges Szenario diesen Ausmaßes sprechen aber was die Zukunft bringt, weiß bekanntlich niemand von uns. Was wir aber kennen sind die mittlerweile täglichen Diskussionen um die Instabilitäten unseres derzeitigen Finanzsystems. Während in den PIGS-Staaten bereits starke Bank-Run-Tendenzen ersichtlich sind und Banken mithilfe von zusätzlicher Liquidität vor der Auszahlungsunfähigkeit bewahrt werden müssen, scheint es im Kerneuropa noch relativ ruhig zu sein. Dieser Eindruck kann aber täuschen, denn Informationen über derartige Entwicklungen würden und werden aus Systemerhaltungsgründen nie einen Weg in die breite Öffentlichkeit finden. Um die Lage einzuschätzen, bleibt also nur die alte Methode über das Bauchgefühl. Diese kann täuschen, aber durch Gespräche mit den Menschen im eigenen Umfeld, kann man ein Gefühl dafür bekommen, inwieweit die Unsicherheit vorangeschritten ist. Hat diese Unsicherheit ein gewisses Maß erreicht, beginnt die Bankenpanik dann durch minimale Auslöser. Wie wir die derzeitigen Entwicklungen interpretieren und welche Schlüsse wir daraus ziehen, bleibt damit jedem selbst überlassen. Wenn jedoch die ersten Menschen Verlust- und Existenzängste nicht mehr im Zaum halten können und zur Bank rennen, dann spätestens, sollten wir mitrennen, falls wir uns bis zu diesem Zeitpunkg noch nicht vorbereitet haben. Denn eine der wichtigsten Regeln, auf denen unser Bankensystem derzeit beruhgt kennen wir jetzt: Nur die Schnellsten bekommen was ihnen versprochen wurde, der darauffolgende Rest der Bevölkerung wird seiner Ansprüche durch Auflösung der Geldillusion enteignet.