Wirtschaft, Philosophie, Leben
Wenn man sich die Entwicklung des Zinses-Zins-Systems einmal betrachtet, kann man schon zu dem Schluss kommen, dass mathematisch gesehen in allen Systemen mit dieser Charakteristik wohl irgendwann der Super-Gau auf die Tagesordnung kommt. Wir können wirtschaften so gut und ethisch sauber wie wir wollen, über kurz oder länger nimmt die Zinses-Zins-Entwicklung ihren rasanten Lauf auf und verselbstständigt sich. Macht man sich also über Lösungsansätze Gedanken bleiben zwei Grundrichtungen als mögliche Optionen. Entweder wir verzichten komplett auf diesen Parameter Zins, was in kleinen Randbereichen der Wirtschaftswissenschaften bereits diskutiert wird (worüber man durchaus auch nachdenken kann) oder aber wir behalten den Zins, weil er sich als zentrales Steuerungselement unserer Ökonomien etabliert hat. Die Frage, die dann aber auf der Agenda steht ist: „Wie können wir das Zinses-Zins-System möglichst lange am Leben erhalten, ohne dass es sich irgendwann selbst zerstört. Diese Frage ist interessant und im Folgenden sollen kurze Denkansätze geliefert werden, die Teil von möglichen Antworten auf diese Frage sein könnten.
Da die Zinses-Zins-Funktion exponentiell wächst, wird man erwarten müssen, dass die Eingriffe ins System von staatlicher Seite extrem sein müssen, um dem auswuchernden Geldmengenwachstum durch Krediterschaffung Einhalt zu gebieten. Die einfachste Form das Geldmengenwachstum zu begrenzen ist die systematische Vernichtung von Guthaben. Überall wo Unmengen von Geld liegt, welches weder für die Realwirtschaft noch für das tägliche Auskommen benötigt wird, entsteht in unserem heutigen Geldsystem eine riesige Menge an neuen Geldforderungen, indem eben dieses überschüssige Geld zu einem Zinssatz angelegt wird. Will man also verhindern, dass diese Geldbeträge nur durch Anlage immer größer werden, muss man sie wohl oder übel eliminieren oder bändigen. Was würde das in der Realität bedeuten? Man könnte sich vorstellen, dass Bankkonten eine gewisse Höchstgrenze an Aufnahmefähigkeit besitzen. Das hieße, dass jeder Bankkontenbesitzer nur einen gewissen Betrag (der natürlich auf die Person lautet) sparen kann. Alles was er darüber hinaus auf sein Konto einzahlt, geht seinen Weg zurück über die Zentralbank und wird vernichtet (über Bargeldbestände müsste man sich zudem auch noch Gedanken machen). Damit aber dieser Umstand nicht zu zügellosem Konsum führt, weil jedes Wirtschaftssubjekt seine Unmengen an verdientem Geld unbedingt in Waren tauschen will muss ein zusätzliches Element eingeführt werden, das aus heutiger Sicht nicht weniger problematisch ist. Wir bräuchten eine Obergrenze des Einkommens. Diese Obergrenze des Einkommens sollte wahrscheinlich an die Höchstspargrenze gekoppelt sein. Wäre diese bspw. 1 Mio Währungseinheiten, dann sollte die Einkommensobergrenze vielleicht bei einem Zehntel, also 100 000 Währungseinheiten liegen. Bei Überschreitung dieser Einkommensobergrenze würde der gleiche Mechanismus greifen wie bei Überschreitung der Vermögensgrenze. Die Zentralbank könnte alle Rückflüsse aus dem System jahresweise auf ein Konto buchen und damit kontrollieren inwieweit sich die Geldmenge durch Zu- und Abflüsse verkleinert oder vergrößert hat und bei Bedarf vielleicht auch noch mit anderen Instrumenten steuern. Weitergedacht könnte man natürlich auch überlegen, ob dann auch Unternehmen mit einer Vermögensgrenze reguliert werden, damit sich auch dort nicht Kapital in unüberschaubar großen Mengen akkumuliert. Da diese Ansätze aber aus heutiger Sicht recht problematisch und wahrscheinlich als kommunistisch abgestempelt werden, besteht wenig Aussicht auf Konsensfähigkeit. Diese Ideen beruhen nicht auf politischen Konzepten. Vielmehr ist die Frage, mit welchen Mitteln man ein System bändigt, welches exponentielles Wachstum in sich trägt und dabei auf lange Sicht eine selbstzerstörerische Kraft auf den Gesamtzusammenhalt desselbigen ausübt. Wir sollten viele Ideen sammeln, wir sollten von vornherein keine Idee verunglimpfen, wir sollten offen und diskussionsfähig sein. Wer Sachpolitik betreibt kümmert sich um Probleme und mögliche Lösungen und nicht um Zugehörigkeiten oder politische Orientierungen.