Wirtschaft, Philosophie, Leben
Liebe EZB-Banker, liebe Politiker, liebe Wirtschaftseliten,
was machen Sie denn gerade? Wieso drucken Sie Geld, als ob es kein morgen gäbe? Wieso retten Sie andere mit Geld, das sie selbst nicht besitzen? Warum weisen Sie Gewinne aus, wo in Wirklichkeit gar kein Geld verdient wurde???
Ach so!! Sie müssen Vertrauen zurückgewinnen bzw. neues Vertrauen schaffen, damit sich die Märkte beruhigen! Eines Tages soll ja alles wieder so reibungslos laufen, wie die letzten 60 Jahre auch. Ja richtig, diese Irrationalität der Märkte, die auf einmal nicht mehr ihr Geld in Staaten und Banken investieren wollen muss bekämpft werden. Es gibt doch überhaupt keinen Grund an dem derzeitigen System etwas zu bemängeln. Immerhin hat es Wohlstand und Reichtum über uns gebracht. Jeder von uns fährt heute zweimal im Jahr in den Urlaub, jeder besitzt mindestens einen fahrbaren Untersatz und jeder von uns neigt heutzutage zum Zweit- und Dritthandy! Ja stimmt! Uns geht es doch wahnsinnig gut und wir sollten uns doch vor diesem großartigen System in großer Ehrfurcht verneigen und ihm huldigen. Aber wir tun es derzeit nicht – bestimmt sind wir alle unwissende, undankbare Raffgierige!
Aber ein paar Fragen kann ich mir in diesem Zusammenhang nicht beantworten. Warum kämpfen Sie denn überhaupt um Vertrauen? Warum wollen die Menschen nicht mehr weiter ihrem materialistischen System dienen? Warum konsumieren wir nicht einfach noch mehr als gestern? Warum wetten wir nicht in noch viel größerem Maße an den Börsen gegeneinander? Warum wenden sich so viele von diesem System ab?
Ach ja richtig! Dabei handelt es sich ja lediglich um eine kleine Minderheit, die schon seit eh und je aus Neidmotiven heraus versucht ein gesamtes Erfolgsmodell in Verruf zu bringen! Viele von diesen Aufrührern sind Separatisten, Nationalisten, Kommunisten oder Ökos, die es im Leben zu nichts gebracht haben. Wer nicht hart und systemgetreu arbeitet, der hat auf diesem Planeten nichts verloren und muss gesellschaftlich verachtet werden.
Das verstehe ich ja (nicht!) aber warum wendet sich denn zunehmend die mittlere Schicht der Gesellschaft von ihrem System ab? Ist das etwa eine Randgruppe? Warum müssen Unternehmen vermehrt die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gewährleisten? Arbeit ist doch wohl das wichtigste im Leben oder? Warum tun viele Menschen im Arbeitsleben nur noch das Nötigste und wenden sich wieder ehrenamtlichen Tätigkeiten zu, gehen joggen oder laufen mit dem Hund spazieren, statt bis spät in die Nacht hart zu arbeiten?
Haben diese Menschen eine Sehnsucht nach Vertrauen? Finden Sie es in ihrer Familie, ihrem Hund oder der Natur eher, als in unserem imaginären, egoistischen und auf Papiergeld basierendem Wirtschaftssystem? Lösen etwa neue Gesellschaftswerte die alten ab? Wahrscheinlich haben Sie Recht, wenn Sie immer wieder sagen, dass Sie Vertrauen verloren haben aber wahrscheinlich haben sie Unrecht, wenn Sie davon ausgehen, dass Sie dieses Vertrauen jemals wieder zurückgewinnen können! Die Gesellschaft ist längst auf dem Weg sich neu auszurichten, die Revolution ist schon in vollem Gange. Während Sie noch versuchen das Vertrauen zurückzugewinnen, hat ein immer größer werdender Teil der Bevölkerung längst mit dem System und den hochgepriesenen Eliten abgeschlossen. Die emotionale Trennung ist in vielen Fällen schon vollzogen. Sie können unternehmen was Sie wollen! Sie sägen damit nur immer weiter an dem Ast, auf dem Sie selbst sitzen. Über kurz oder lang werden Sie fallen und der Gesellschaftsbaum des Lebens treibt neue Triebe und verstärkt andere, die sich gesünder entwickelt haben! Es scheint klar: Sie haben das Vertrauen verspielt – und es kehrt auch nicht mehr zu Ihnen zurück!