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Wirtschaft, Philosophie, Leben

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The point of no return – Gibt es ihn auch in einem ökonomischen System?

Ein Flugzeug startet, die Turbinen drehen auf Volllast – Beschleunigung. Mit jedem Meter nimmt die Geschwindigkeit des Flugzeuges zu. Die Bewegungsenergie, die sich in diesem Flugzeug aufbaut steigt. Die Hälfte der Startbahn ist erreicht. Nur noch wenige Meter dann hebt sich das Flugzeug vom Boden und gleitet in den blauen Himmel. Doch halt! Der Pilot sieht die Tankanzeige blinken! Kein Kerosin an Bord!? Startabbruch?? Unmöglich!!! Starten, Wenden, Landen das ist die einzige Rettung! Ein Startabbruch zu diesem Zeitpunkt wäre ein Desaster. Die Maschine wäre auf den restlichen Metern der Startbahn nicht mehr abzubremsen, die Folge für die Maschine samt Insassen könnte verheerend sein! Also schnell in die Luft und wenden.

Leider hat für dieses Manöver das Kerosin nicht mehr ausgereicht. Das Flugzeug stürzte beim Wendemanöver ab und zerschellte in einem Wohngebiet. Folge: sehr viele Tote.

Und was ist die Ökonomie der Geschichte? Nun man könnte durchaus einige Dinge ableiten. Die Globalisierung begann so richtig am Anfang der 90iger Jahre. Alle sahen die großen Möglichkeiten, die sich damit ergeben würden (und die sich zweifelsfrei auch ergeben haben!). Die Welt wurde optimistisch, die Weltwirtschaft nahm an Fahrt auf, die „innere“ Energie des Systems stieg. Natürlich kam es zu Rückschlägen aber was sollte das schon bedeuten. Solange die Beschleunigung noch erkennbar war, konnte man darüber hinwegsehen. Und es gab ja auch noch ein paar Aufputschmittel, falls einmal größere Zweifel aufkommen sollten. Geldvermehrung, billige Zinsen, Schulden umbuchen, Steuern senken, Opium fürs Volk – alle waren zufrieden. Nur was war 2008 los? Es gab einen Knall! Einen lauten Knall! Fast schon zu laut! Irgendetwas stimmt nicht im System sagen einige, während andere noch im Geschwindigkeitsrausch stecken und schon wieder euphorisch nach mehr jauchzen.

Nur was würde ein Pilot machen, wenn er bei bereits begonnenem Startversuch einen lauten Knall hört und feststellt, dass es ihm auf halber Strecke ein Triebwerk mitsamt der Hälfte einer Tragfläche abgerissen hat? Die Lage ist dramatisch. Gut kommt er aus dieser Geschichte nicht mehr heraus. Entweder abbrechen und über die Startbahn schießen oder noch einmal Vollschub auf das übrig gebliebene Triebwerk – vielleicht fliegt der Vogel ja noch!

Befindet sich unser Finanzsystem bildhaft gesprochen bereits an diesem Punkt? Schuldenkrise Europa, Amerika im Stillen pleite, mögliche Immobilienblase in China und eine Politik die sich entschieden hat: „Wir tun so, als ob es den Knall nie gab – auf zum letzten Flug! Vollgas auf die übrige Turbine – alles oder nichts! Falls wir abstürzen dann richtig und indem wir uns alle gegenseitig ins Verderben reißen!“

Und nun die Frage, ob dass die richtige Entscheidung ist? Ich meine nicht! Sollten wir uns nicht eingestehen, dass wir zu viel wollten? Ist es nicht besser in Demut das Ende anzuerkennen, als bis zur letzten Sekunde im Hochmut geglaubt zu haben, dass sich alles irgendwann wieder beruhigt? Wäre es nicht jetzt bereits an der Zeit den Schnitt zu machen, solange wir uns noch gegenseitig in die Augen schauen können und zueinander sagen: „Wir haben es versucht. Es hat leider nicht funktioniert. Lasst uns gemeinsam aus diesen Fehlern lernen und an den zentralen Schwächen des Systems entscheidende Korrekturen vornehmen, sodass es in Zukunft zwar mit weniger Geschwindigkeit, dafür aber mit mehr Nachhaltigkeit ausgestattet ist!“.

Der Pilot entschied sich übrigens für diese Alternative. Nach einer raschen Durchsage an die Passagiere brach er den Start ab. Die Maschine schoss über die Landebahn hinaus und zerschellte noch im Sicherheitsbereich des Flughafens. Alle Passagiere waren tot. Dennoch errichteten die Bewohner des anliegenden Wohngebietes ein Mahnmal für den Piloten und alle Insassen des Flugzeuges. Alle hatten Verantwortung, Ehrlichkeit und Demut bewiesen – auch in einer tödlichen Situation – at the point of no return!

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