Wirtschaft, Philosophie, Leben
Jeder von uns kennt es oder kennt jemanden, der davon betroffen ist oder war. Das sogenannte Burnout-Syndrom. Dabei scheint es sich um ein Krankheitsbild zu handeln, welches in den letzten Jahren immer stärker in den Gesellschaften der westlichen Hemisphäre zum Vorschein tritt. Woher kommt diese Krankheit, deren genaues Krankheitsbild noch nicht einmal von den Wissenschaftlern unserer Zeit bestimmt werden kann? Ist es möglicherweise nur Einbildung? Ist es eine moderne Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für all die vielen Psychologen, die wir ausbilden? Warum werden wir erst jetzt auf dieses Phänomen aufmerksam, wo doch auch schon Generationen vor uns hart bzw. vielleicht sogar härter arbeiten mussten als die jetzige. Handelt es sich womöglich um eine Ausrede für alle jene, die nicht mehr leisten wollen und vorhaben sich auf Kosten der Gesellschaft durchs Leben zu mogeln?
Höchstwahrscheinlich ist das nicht so! Wer sich die Betroffenen ansieht, wird selten vermuten, dass es sich bei diesen Menschen um träge oder faule Menschen handelt. Ganz im Gegenteil. Es scheint vielmehr so, als ob gerade die von Burnout Betroffenen vollkommen im derzeitigen Gesellschafts- und Wirtschaftssystem aufgegangen sind. Die meisten von ihnen haben also jahrelang systemtreu gedient, hart gearbeitet, sich wenig bis keine Pausen gegönnt, vielleicht sogar Freunde und Familie vernachlässigt, sich immer mehr isoliert und dabei stets versucht dem Idealbild unserer Gesellschaft hinterher zu eifern. Führt man diesen Gedanken fort, so könnte man behaupten, dass Burnout-Kandidaten zum Systemperfektionismus tendieren. Was das z.B. für die jungen Generationen heute bedeutet lässt sich einfach beschreiben: Wer heute 25 Jahre alt wird, sollte studiert haben und außerdem 2 Jahre Auslandserfahrung und 2 Jahre Berufserfahrung vorweisen. Der Hochschulabschluss sollte hervorragend sein und wenn möglich sollte ein ausgedehntes soziales Engagement seit vielen Jahren bestehen.
Gekoppelt werden diese Anforderungen mit extremer Flexibilität, die von allen jungen Menschen heutzutage erwartet wird. Dies hat zur Folge, dass sich ein System aus extremem Konkurrenzdruck entwickelt hat, welches zu ausgeprägten Ängsten des Versagens bei den jungen Erwachsenen führt. Um also im Konkurrenzsystem bestehen zu können, gibt sich die junge Generation völlig selbst auf. Jeder geht bis ans Maximum seiner persönlichen Leistungsfähigkeit, oft sogar darüber hinaus. Dieser Prozess zehrt sehr an den Kräften aller Beteiligten und führt schlussendlich dazu, dass die Kette an den schwächsten Gliedern zu reißen droht. Damit ist die Grundlage für ein Burnout-Syndrom geschaffen aber dennoch spielt noch ein wesentlicher Faktor mit hinzu, damit sich diese innere Erschöpfung bei den Betroffenen wirklich in einem Burnout manifestiert. Hinzu kommt eine mentale Komponente, die dazu führt, dass körperliche Erschöpfung in den totalen Zusammenbruch eines Individuums mündet.
Wenn Zweifel die Hoffnungen übertreffen, wenn Erkenntnis in einer Sinnfrage mündet, dann bricht der Geist, der sich und den eigenen Körper über lange Zeit mithilfe eines Gedankenkonstrukts am Arbeiten hielt. Wenn unser Gehirn also realisiert, dass unser selbstvernichtendes Handeln auf lange Zeit nicht zum Erfolg führt, dann kommen Fragen nach dem Sinn der ganzen Sache auf, die schlussendlich im Burnout enden. Wer sich selbst untreu wird, kann diesen Prozess eine ganze Zeit aufrechterhalten aber irgendwann erkennen wir, dass wir die modernen Sklaven einer Gesellschaft geworden sind, die von Idealen ausgeht, die weder menschlich noch nachhaltig sind.
All jene, die den Prozess des Burnouts durchlebt haben, blicken oft erschrocken zurück und erkennen, dass sie sich jahrelang zum Knecht der Gesellschaft gemacht haben. Wenn also die Zahl der Burnout-Fälle in Zukunft zunimmt, dann sollten wir uns ernsthaft die Frage stellen, ob wir denn alle verrückt sind, einfach kein hartes Arbeiten mehr gewöhnt sind, oder ob wir uns ein System erschaffen haben, welches Menschen genauso als Ressource ansieht wie alle anderen natürlichen Rohstoffe auch - und am Ende bleibt nur verbrannte Erde!