Wirtschaft, Philosophie, Leben
Es ist interessant sich selbst zu fragen, ob diese in der Presse und der Gesellschaft so oft verurteilten und ominösen Spekulanten irgendwo ganz weit weg in einer dunklen Kammer ihr Unwesen treiben oder ob man nicht sogar selbst Teil dieses Systems ist und es damit freiwillig oder unfreiwillig mit befeuert. Sicherlich bedarf es einem hohen Maß an Selbstkritik, sich mit den gesellschaftlich kritisierten Finanzverbrechern auf eine Stufe zu stellen. Dennoch lohnt dieser Blick auf die Dinge dem Verständnis dessen, was wir tagtäglich in den Nachrichten erfahren und worüber wir uns oft sehr aufregen. Wie ist es denn nun mit unserem eigenen Hang zur Spekulation? Nehmen wir das Beispiel Altersvorsoge. Zum Glück gibt es viele Menschen, die nicht nur an morgen, sondern auch an übermorgen denken und in den wirtschaftlich guten Zeiten ihres Lebens etwas für ihre Altersvorsorge zurücklegen. Dies geschieht entweder staatlich und/oder zusätzlich privat, was soweit noch keinerlei Problem darstellt. Der Knackpunkt liegt wohl eher in der Tatsache, dass jeder Sparer (und dazu gehören auch diejenigen, die für ihr Alter vorsorgen) für die Einlage eines Betrages in die Altersvorsorge bestimmte Renditeziele erwarten, sodass nach vielen Jahren des Geldverzichts nicht nur selbiger ausgeglichen wird, sondern auch eine schöne Zinszahlung den Lebensabend versüßt. Hieraus ergeben sich zwei Problematiken. Zum einen entstehen riesige Institutionen, sogenannte Pensionsfonds, die die angesparten Gelder verwalten bis die Sparpläne der Individuen zur Auszahlung kommen. Zum anderen haben diese Gesellschaften einen bestimmten Erfolgsdruck, denn sie versprechen meist schon zu Beginn des Engagements Mindestverzinsungen, die allerdings auf die ungewisse Zukunft angewendet werden. Natürlich sind Pensionsfonds gesetzlich streng reguliert aber was geschieht, wenn die als sicher abgestempelten Staatsanleihen, die die Haupteinnahmequelle der klassischen Pensionsfords sind auf einmal auszufallen drohen und die noch verbliebenen übrigen Staatstitel solventer Staaten aufgrund eines Kaufhypes keine Rendite mehr im Zielkorridor abwerfen? Es sind wir, die Kunden der Pensionsfonds, die schnell unzufrieden werden, wenn wir die jährliche Abrechnung per Post erhalten. Werden die Renditeziele weit verfehlt und liegen sie womöglich sogar unter den Inflationswerten, dann steigt der Frust und der Spaß am Sparen verfliegt. Schließlich haben wir ja ein Recht darauf diese versprochene Rendite auch einzustreichen. So wurde es uns beigebracht und so funktioniert schlussendlich auch das System.
Wir Sparer schauen diesem Umstand bzw. diesen Entwicklungen verständlicherweise nicht lange zu. Zeit ist ja bekanntlich Geld. Entweder die Pensionskasse sucht sich andere Anlageklassen (die im gesetzlichen Rahmen möglich sind – nein eigentlich müssen sie nur absolut sicher sein) und die mehr Rendite erwirtschaften, sodass die Versprechungen halten oder wir ziehen unser Geld ab und investieren es selbst. Auch wenn wir dabei ungewöhnliche Wege über Hedge-Fonds oder Private-Equity Anteile gehen müssen, ob wir Derivate oder Zertifikate mit 25% Rendite-Aussicht ordern, oder ob unser Geld einfach in die Aktienmärkte, Metalle, Öl, sonstige Rohstoffe oder sogar in Nahrungsmittelspekulation fließt. Das gesparte Geld muss sich vermehren und wenn es Institutionen nicht schaffen diesen Auftrag zu erfüllen, dann erledigen wir es im schlimmsten Fall eben selbst. Am Ende muss bei jedem von uns die Rendite stimmen. Der Weg zum Ziel spielt dabei nicht die entscheidende Rolle. Und das Risiko? Ach so das gibt es ja auch noch! Warum verlieren wir immer noch mehr Geld, obwohl unser Bankberater uns doch fantastische und bombensichere Investments ins Portfolio gelegt hat? Diese bösen gierigen Banker, diese Finanzindustrie ist schuld! Ja das ist sie aber zum Unglück gehört nicht nur das Angebot – es gehört auch die Nachfrage! Sind wir nicht alle süchtig nach einfachem Geld und Rendite? Und wenn es nicht von alleine geht, dann wird das Glück eben erzwungen – mit Spekulation!!!