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Wirtschaft, Philosophie, Leben

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Nicht wir sterben, sondern unser Geld!

Wenn ich mich mit Menschen über die Probleme unseres derzeitigen Wirtschaftssystems unterhalte, schlägt mir sehr viel Pessimismus entgegen. Dennoch herrscht in der Bevölkerung noch die Meinung vor, dass ein totaler Zusammenbruch und ein Neustart des wirtschaftlichen Zusammenlebens ausgeschlossen werden kann bzw. es die Aufgabe der Politiker ist, diesen zu verhindern. Diesem Fünkchen Hoffnung treten viele Ökonomen hinter vorgehaltener Hand mit folgendem Vergleich entgegen:

Die Arroganz der Menschheit führte in den letzten Dekaden dazu, dass sie irgendwann das Maß verlor, ungedeckte Währungen einführte und damit den Startschuss für angeblich unbegrenzten Reichtum schuf. Im Moment, also viele Jahre später, erinnert die ganze Situation derer, in der sich die Titanic kurz vor ihrem Ende befand. Auch damals dachte der Mensch, im Überschwang, die Natur überwältigt und gebändigt zu haben. Die Folge dieser Arroganz war eine Kollusion mit einem Eisberg, der mit Leichtigkeit ein Loch in die Außenhaut des Schiffes riss. Während unten das Wasser in das Schiff eintrat, spielte oben noch die Kapelle, als ob nichts gewesen wäre. Nicht dass diejenigen oben nicht registriert hätten, dass es zu Ende geht. Nein sie wussten es nur zu genau aber der aufkommenden Panik musste man etwas entgegensetzen. Verhindern konnte die Kapelle den Untergang nicht. Sie verkürzte vielmehr die schwierige Zeit für die Passagiere, in der sie sich mit den existenziellen Fragen des Lebens auseinanderzusetzen hatten. Die Illusion sollte bis kurz vor Ende aufrechterhalten werden. Natürlich ermöglichte dieser Zeitgewinn und das eingegrenzte Chaos auch einer bestimmten Klasse sich rechtzeitig zu den Rettungsbooten zu begeben und diese ohne ausufernde Klassenkämpfe zu Wasser zu lassen. Doch irgendwann war auch dem letzten klar, dass dieses Schiff dem Untergang geweiht war. Sehr viele Menschen ertranken oder erfroren in der eiskalten See.

 

titanic2.jpg


Kein Wirtschaftswissenschaftler, kein Professor, kein Politiker und kein EZB-Banker weiß eine Lösung für die Probleme, die in nächster Zeit anstehen werden. Aber dass Währungen unter bestimmten Voraussetzungen untergehen hat sich geschichtlich des Öfteren gezeigt. Wir werden unseren angeblichen Reichtum nicht konservieren können. Wir müssen sogar hoffen, dass das nicht möglich sein wird, denn nur dann ergibt sich ein kleiner aber wesentlicher Unterschied zum Vergleich mit der Titanic. Dann gehen nämlich alle gemeinsam unter – ohne Rettungsboot. Und danach ist dann auch die Zeit gekommen, die einen wirklichen Neuanfang möglich macht, denn es gibt noch einen Unterschied zum sinkenden Schiff: Nicht wir Menschen sterben, sondern unser Geld!

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