Wirtschaft, Philosophie, Leben
Wer seinen „Reichtum“ bzw. die gesammelten Gläubigerpositionen, die in unserem Wirtschaftssystem aus dem Handel miteinander entstehen nicht in Geldpapier oder ähnlichen Übergangstauschmitteln halten will, dem wird stets empfohlen sie in reale Werte einzutauschen. Als real werden diese Güter deshalb eingestuft, weil sie physisch greifbar und damit real existent sind und nicht auf einem Vertrauenssystem/Umtauschsystem beruhen, welches nur imaginär erdacht ist und deshalb auch nur funktioniert, solange der größte Teil der Wirtschaftssubjekte daran glaubt. Diese realen Werte sind in Systemkrisenzeiten wie diesen der letzte Strohhalm, an dem sich Menschen mit all ihren Verlustängsten klammern, denn sie gehen davon aus, dass das was real existiert, auch in Zukunft immer einen Wert haben wird. Diese Annahme kann aber gefährlich sein. Wer sich heute in dem Glauben einen realen Wert erstanden zu haben einen alten Porsche-Oldtimer als Anlageobjekt kauft und meint, diesen auch in zehn Jahren mit Wertgewinn veräußern zu können, der spekuliert genauso auf die Zukunft wie ein Aktienhändler, der sich die Aktie von Siemens ins Depot legt mit dem Gedanken, dass diese Firma wohl schon einige Krisen überstanden hat und damit auch die nächsten Jahrzehnte überleben wird. Auch die Immobilienanlage in bester Innenstadtlage mag ein solches Investment sein. Was kann schon passieren? Die jungen Menschen wollen auch noch in fünf Jahren in der Innenstadt von München leben – jeder wäre doch gerne ein Münchner oder nicht? Nun vielleicht schon, vielleicht aber auch nicht. Das Problem liegt darin, dass der reale Wert dieser materiellen Güter immer an Prämissen gekoppelt ist. Würde sich bspw. im Zuge der anstehenden Neuordnung des Wirtschaftssystems eine Mehrheit der Bürger für ein kommunistisches Nachfolgemodell entscheiden, wären Eigentumsrechte sowie Rechte an Immobilien allgemein wohl nicht mehr so sicher, wie zum Zeitpunkt des Kaufs gedacht. Findet jedoch gar kein Wandel, sondern nur ein Neustart des alten Systems statt, müssen die Menschen womöglich einige Jahre mit sehr geringen Einkommen auskommen und werden versuchen ihre schwierige Situation, im schlimmsten Fall auch den Hunger, durch Eigeninitiative zu verbessern. Braucht dann jemand einen alten Porsche-Oldtimer, der zudem noch Unmengen an unbezahlbarem Benzin verbraucht? Wohnen die jungen Menschen dann in einer großen Stadt, in der sie keine Möglichkeit haben sich selbst mit den wichtigsten Dingen zu versorgen? Sicherlich mag man diese Szenarien zu den schlimmsten zählen, die man sich ausmalen kann, dennoch drängt sich die Frage auf, was wohl passiert, wenn die Welt im Zuge einer Währungsreform nur für eine Woche wie gelähmt auf die Umstellung wartet? Bleiben alle Völker ruhig und besonnen? Sitzt jeder entspannt zuhause und wartet auf den Neubeginn? Wir können es hoffen aber mit Sicherheit sagen kann es wohl niemand.
Trotzdem eröffnet uns dieses Szenario den Blick für die wirklichen Realwerte. Zu den realen Werten gehören Nahrung, Kleidung, Hygieneartikel , ein Unterschlupf und eine stabile Gemeinschaft aus Menschen (Familie und Freunde), die gewillt sind, sich gegenseitig zu unterstützen. Diese realen Werte sichern das Leben, das man bestimmt als bescheidenes Leben bezeichnen muss – aber nicht nur in Krisenzeiten, sondern auch in unserer konsumüberfrachteten Welt kann das schon ein erfülltes einfaches Leben sein!
Keinesfalls soll diese Niederschrift zu Panikkäufen im Lebensmittelbereich führen. Auch andere Investmententscheidungen sollen dadurch nicht beeinflusst werden. Es soll lediglich verdeutlicht werden, dass Wertesicherheit bei materiellen Dingen nur bedingt existiert und dass wir uns besser heute als morgen zumindest innerlich lossagen sollten von unseren Besitztümern. Denn auch im Krisenfall geht das Leben in jedem Fall weiter aber einen guten Start im nachfolgenden System werden nur diejenigen haben, die flexibel reagieren, während andere noch wie gelähmt ihrem verlorenem Reichtum hinterhertrauern.