Wirtschaft, Philosophie, Leben
Warum schlagen uns manche Entscheidungen so sehr auf den Magen, dass wir tagelang keinen Hunger mehr verspüren, lustlos durchs Leben taumeln, von Gedanken verfolgt und malträtiert werden und einfach nicht mehr wissen, was als nächstes zu tun ist?
Die Natur hätte es doch auch so einrichten können, dass uns in diesen Phasen des Lebens der linke Fuß weh tut, uns Haare ausfallen oder wir so viel Hunger bekommen, dass wir uns dick und fett "fressen".
Aber nein - das passiert nicht! Es wurde vielmehr alles so angelegt, dass wir uns vorrübergehend in den Selbstzerstörungsmodus katapultieren. Mit wenig bis keiner Nahrungsaufnahme - "Nein danke,
ich habe gerade absolut keinen Appetit!" - und der Energielosigkeit - "Lass mich in Ruhe, mir geht es nicht gut", die daraus resultiert, wären wir in einem lebensfeindlichen Umfeld leichte Beute für Räuber und Feinde. Gewissermaßen setzt bzw. setzte uns die Natur in früheren Zeiten in diesem Modus einer Lebensgefahr aus. Warum ist das so?
Nun, vielleicht will sie uns darauf hinweisen, dass wir gerade existenzielle Dinge entschieden haben, Dinge mit weitreichenden Auswirkungen, Dinge die gut überlegt sein sollten, Dinge die nicht nur das Leben von uns selbst, sondern auch von anderen Menschen betreffen. Erst in diesem Zustand der Energielosigkeit, in dem wir am täglichen Leben nicht mehr aktiv teilnehmen können, kommen wir zur Ruhe und stellen uns den Argumenten, dem Für und Wider einer Entscheidung. Erst wenn wir mit der Decke über dem Kopf im Bett liegen und die Welt da draußen völlig an Bedeutung verloren hat, stellen wir uns Fragen und suchen nach Antworten.
Die Natur hat vorgesorgt! Sie stellt sicher, dass auch in unserer hektischen und von Irrealitäten geprägten Welt jeder Mensch bei wichtigen Entscheidungen in einen absoluten Nullzustand gelangt, denn erst dort erkennen wir, wer wir sind und was uns wertvoll ist. Auch der Zweifel, der in diesem Nullzustand hervortritt, nimmt am dem Prozess teil, die Entscheidung zu verarbeiten, denn er lässt es zu, dass Irrtum existiert, dass möglicherweise Fehlentscheidungen getroffen wurden, dass wir uns damit auseinandersetzen was gut und was schlecht ist bzw. was dafür und was dagegen spricht. Alles in allem findet eine innere Reinigung statt, die ein Ergebnis liefert, welches tiefgreifender und gehaltvoller ist, als jenes, das im alleinigen Zeitpunkt der Entscheidung zustande kommt.
Was aus diesem Prozess resultiert ist offen. Ob die Entscheidung richtig war oder falsch wird man im Endeffekt nie erfahren können. Trotzdem erlangen wir dadurch neue Handlungsimpluse, sodass sich der Fluss des Lebens nach einiger Zeit wieder in Gang setzt.
In welche Richtung? Wir wissen es nicht.